Wohnungssystem Chinas

Auf dem Internet kursiert das Gerücht, dass China der gesamten Bevölkerung kostenlose Häuser gibt, aber ist das wahr...

Auf dem Internet kursiert das Gerücht, dass China der gesamten Bevölkerung kostenlose Häuser gibt, aber ist das wahr oder Fake? Eine Tatsache ist wahr und beeindruckend: Etwa 90 % der städtischen Familien in China sind Eigentümer ihrer Häuser. Auf dem Papier scheint dies das Paradies der universellen Wohnversorgung zu sein, ein direkter Reflex eines Staates, der jedem Bürger den Schlüssel in die Hand drückt. Aber die kurze Antwort lautet: Nein, China gibt keine Häuser umsonst. Tatsächlich gibt es einen der teuersten, komplexesten und manchmal paradoxen Immobilienmärkte der Welt.

Wenn du verstehen willst, wie ein Land mit kommunistischen Wurzeln zu dieser Eigentumsquote kam, ohne jemandem etwas „zu geben“, müssen wir uns ansehen, was in den letzten Jahrzehnten hinter den Kulissen passiert ist.

Das Geheimnis der 90 %: Ein privatisiertes Erbe

Um zu verstehen, woher so viele Leute mit eigenem Haus kommen, müssen wir bis vor 1978 zurückgehen. In jener Zeit herrschte das System danwei, bei dem das Staatsunternehmen, in dem man arbeitete, sowohl Eigentümer der eigenen Zeit als auch der eigenen Wohnung war. Es gab eine symbolische Miete, aber die Freiheit war null und der Platz winzig.

Der „Trumpf“ geschah in den 90er Jahren. Die chinesische Regierung entschied, den Sektor zu kommerzialisieren und erlaubte den Arbeitnehmern, die Wohnungen, in denen sie bereits lebten, zu extrem niedrigen Preisen zu kaufen. Es war eine Massenprivatisierung von Staatsvermögen. Wer Mieter war, wurde über Nacht zum Eigentümer. Diese Generation trägt die 90 %, von denen so viel die Rede ist. Für die Jugendlichen von heute hat sich diese Tür jedoch schon vor langer Zeit geschlossen.

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Der „Frankenstein“ der Immobilien

Heute ist das chinesische System ein Hybrid, den man nirgendwo sonst findet. Es ist nicht rein öffentlich noch vollständig privat. Es teilt sich in drei große Segmente:

  1. Handelsmarkt: Dort kaufen die Elite und die obere Mittelschicht. Hier ist der Quadratmeterpreis in Städten wie Shanghai oder Peking so prohibitiv, dass er New York fast erschwinglich wirken lässt.
  2. Bezahlbarer Wohnraum: Das sind Programme mit Subventionen für Geringverdiener. Aber Achtung: „Bezahlbar“ bedeutet nicht Schenkung. Es erfordert Ersparnisse, Finanzierung und die Erfüllung von Eignungskriterien, die eine echte „Feinprüfung“ sind.
  3. Die Hürde des Hukou: Das ist der Punkt, den die meisten oberflächlichen Analysen vergessen. Um staatliche Unterstützung zu erhalten, braucht man den hukou (die städtische Wohnsitzregistrierung). Wenn man einer der 147 Millionen Migranten ist, die vom Land in die Stadt zur Arbeit gezogen sind, ist man technisch gesehen ein „Ausländer“ im eigenen Land. Ohne diese Registrierung ignoriert das soziale Wohnungssystem einen einfach.

Geisterstädte und das Paradoxon des Betons

Vielleicht das größte Zeichen dafür, dass das System keine geplante und kostenlose Verteilung ist, ist das Phänomen der „Geisterstädte“. Im Jahr 2024 waren die Zahlen erschreckend: Etwa 7,2 Millionen leere Häuser verteilt über das ganze Land.

Die Dimension dieses Ungleichgewichts wurde fast surreal von He Keng, dem ehemaligen stellvertretenden Chef der Statistikbehörde Chinas, zusammengefasst. Seiner Meinung nach gibt es heute so viele leere Wohnungen, dass selbst die riesige Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen nicht in der Lage wäre, sie zu besetzen.

Dieser seltsame Überschuss ist die Nebenwirkung einer Wirtschaft, in der der Ziegel zum „Tresor“ der Familien wurde. Da sie der Volatilität der Börse nicht vertrauten, machten die Chinesen den Immobilienmarkt zu ihrer Hauptwertanlage und erzeugten so das Paradoxon, das wir heute sehen: einen Horizont voller Geistergebäude, während die Preise in den Zentren weiterhin diejenigen vertreiben, die wirklich ein Dach über dem Kopf brauchen.

Der Rettungsplan von 2024/2025

Die Regierung weiß, dass die Blase den sozialen Frieden unter Druck setzt. Die jüngsten Maßnahmen, wie die „Weiße Liste“ zur Finanzierung unvollendeter Projekte und die Umwandlung von brachliegenden Gewerbeimmobilien in Wohnraum für Jugendliche, zeigen einen Versuch einer „sanften Landung“. Der Fokus hat sich geändert: Der Staat hat erkannt, dass er nicht nur bauen kann; er muss garantieren, dass diejenigen, die in den Städten arbeiten, dort auch leben können.

Die Idee, dass China „kostenlose Unterkunft“ anbietet, ist ein Mythos, der eine viel härtere Realität vereinfacht. Die hohe Eigentumsquote ist das Ergebnis eines einzigartigen historischen Übergangs und eines enormen finanziellen Opfers der chinesischen Familien.

Was wir in China sehen, ist kein Wohlfahrtssystem, sondern ein Schlachtfeld zwischen dem Bedarf an sozialer Kontrolle und der Gier des spekulativen Marktes. Das Land hat es geschafft, Hunderte von Millionen von Menschen in Rekordzeit zu urbanisieren, aber der Traum vom Eigenheim erfordert viel mehr Schweiß als Ideologie.

Kevin Henrique

Kevin Henrique

Spezialist mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in asiatischer Kultur, mit Fokus auf Japan, Korea, Anime und Spiele. Autodidakt, Autor und Reisender, der Japanisch, Reisetipps und tiefgehende Kuriositäten vermittelt.

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